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Generation Porno?

Bedenkt man, wie die heutige Jugendsprache sexuallisiert und von Pornoausdrücken durchsetzt ist, drängt sich die Vorstellung auf, dass Kinder und Jugendliche von der Pornografie stark beeinfluss werden. Wissenschaftlich belegen lassen sich allfällige Auswirkungen von Pornografiekonsum auf Kinder und Jugendliche kaum; nicht zuletzt, weil es verboten ist, Jugendlichen unter 16 Jahren Pornos zu zeigen. Klar ist jedoch, das sie nicht ganz spurlos an ihnen vorbeigehen...

Jugendliche durchleben in der Pubertät eine Ganze Reihe von biologischen, sozialen und psychischen Veränderungen und damit auch Unsicherheiten. In diese Zeit fällt auch der Beginn der Suche nach der eigenen Sexualität, nach der sexuellen Identität. Sie erleben in dieser Zeit in vieler Hinsicht das „erste Mal“: sei es in Liebesbeziehungen, in der körperlichen Reifung oder bei den ersten sexuellen Erfahrungen.

Kein Wunder, dass Jugendliche dabei immer wieder verunsichert sind. Die Pornos mit ihren enormen Penis- und Brustgrössen, mit den immerpotenten männlichen und jederzeit willigen weiblichen Akteuren und den als Standard und absolutes Muss vermittelten Praktiken tragen sicherlich ihren Teil zu einer weiteren Verunsicherung bei.

Während sich die Jugendlichen fragen, ob ihr Busen oder ihr Penis auch gross genug ist, sie die für Sex anscheinend nötige Ausdauer mitbringen oder auch wirklich alle Spielarten der Sexualität mögen müssen, können andererseits auch unrealistische Erwartungen an sich selbst und andere entstehen; sei es in Bezug auf die Orgasmushäufigkeit, die Penisgrösse oder die Fähigkeit, als Mann eine Frau „richtig zu befriedigen“ oder umgekehrt. Erwartungen, die zwangsläufig an der Realität scheitern.

Nicht nur Pornos, auch Spielfilme oder Musiksclips bieten Vorbilder und Massstäbe an, die mit der Realität wenig gemein haben: egal ob es die vollkommene, romantische grosse Liebe oder eben der perfekte Sex, die all-Zeit-Bereitschaft und die multiplen Orgasmen der Frauen sowie die stundenlange Standfestigkeit der Männer sind.

Durch solche Vorbilder und Massstäbe, durch Verunsicherung und unrealistische Erwartungshaltung kann auch das Rollenverständnis beeinflusst werden: Denn wenn in den Pornos Frauen als willige Sexualobjekte dargestellt werden, die eigentlich „ja“ meinen, wenn sie „nein“ sagen und selbst die harten Praktiken zu geniessen scheinen – wird dann nicht auch in Wirklichkeit was dran sein?

Sind unsere Kinder von der Pornografie so geprägt, dass sie tatsächlich die „Generation Porno“ sind?

Jein.

Der Begriff stimmt sicher in so weit, als Pornografie für diese Generation verfügbarer ist als je zuvor. Darüber hinaus tragen Mode- und Musikindustrie viele Elemente von Pornos und pornografischen Darstellungen in den Alltag: in Musikclips etwa oder in der Kleider-Werbung. Diese werden zumindest teilweise von Kindern und Jugendlichen aufgegriffen und schlagen sich nieder in ihrer Sprache, im Kleidungsstil oder auch in der Art der Selbstdarstellung auf Sozialen Netzwerken.

Fakt ist aber andererseits: Das Alter, in dem Jugendliche den ersten Geschlechtsverkehr haben, steigt seit 10 Jahren wieder an. Die Hälfte der Jugendlichen hat zwischen 16 und 17 Jahren den ersten Geschlechtsverkehr. Der Anteil der 14-jährigen Mädchen mit sexuellen Erfahrungen liegt bei 7 %. Und ein Drittel der Jugendlichen hat mit 17 Jahren noch überhaupt keine sexuellen Erfahrungen. (Quelle: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, 2010, Deutschland)

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