unterstützt Eltern in der Medienerziehung

Auf der Suche nach der eigenen Identität

Die Orientierung an den Peers, den Gleichaltrigen, steht in einem engen Zusammenhang mit der Entwicklung einer eigenen Identität der Teenager. Die Suche nach der eigenen Identität verläuft nicht gradlinig. Jugendliche probieren immer wieder mal Rollen aus und experimentieren mit verschiedenen Selbstentwürfen. Dabei werden ihre Idealvorstellungen von sich selbst immer wieder konfrontiert mit der Realität. Denn nicht immer entsprechen z.B. die eigene Erscheinung und die körperlichen Veranlagungen dem Wunschbild. Da Jugendliche in solche Momenten weniger bei Erwachsenen als bei Gleichaltrigen und im Netz Hilfe und Rat suchen, können sie auch schon mal auf Abwege gelangen.

Andererseits überprüfen die Jugendlichen ihre eigene Wirkung oder auch die Wirkung ihrer Selbstentwürfe in ihrem Umfeld. Die Rückmeldungen auf ihre Erscheinung, ihre Aussagen, ihr Benehmen oder ihre Ansichten zeigen ihnen, wie sie wahr genommen werden, ob sie „ankommen“, also von ihren Peers anerkannt werden, und ob allenfalls „Anpassungen“ angesagt sind. Das war bei Jugendlichen früherer Generationen auch nicht anders. Auch sie haben verschiedene „Looks“, verschiedene Rollen ausprobiert, mit diesem oder jenem Image experimentiert. Doch diese Experimente fanden meist in kleinem Kreis, sozusagen unter Ausschluss der Öffentlichkeit, statt.

Es gehört zum Heranwachsen, dass Kinder ihren Weg noch suchen, sich ausprobieren, verschiedene Rollen erproben. Das war schon immer so. Mit den neuen Medien heisst das aber immer häufiger: Kinder proben das Erwachsenwerden und die ganze Welt schaut zu. Heute leben Jugendliche einen nicht zu geringen Teil ihrer Entwicklung sozusagen im öffentlichen Raum aus; die Social Media bieten ihnen die entsprechenden Plattformen. Grund genug für Eltern, die Anwendungen der Social Media, die Jugendliche so gerne nutzen, kennen zu lernen.

Jugendliche durchleben in der Pubertät eine ganze Reihe von biologischen, sozialen und psychischen Veränderungen und damit auch Unsicherheiten. In diese Zeit fällt auch der Beginn der Suche nach der eigenen Sexualität, nach der sexuellen Identität. Sie erleben in dieser Zeit in vieler Hinsicht das „erste Mal“: sei es in Liebesbeziehungen, in der körperlichen Reifung oder bei den ersten sexuellen Erfahrungen. Kein Wunder, dass sie dabei immer wieder verunsichert sind. Pornos mit den enormen Penis- und Brustgrössen, mit den immerpotenten männlichen und jederzeit willigen weiblichen Akteuren, den als Standard und absolutes Muss vermittelten Praktiken tragen sicherlich ihren Teil zu einer weiteren Verunsicherung bei.