unterstützt Eltern in der Medienerziehung

Tipps für mehr Datensicherheit bei Facebook & Co.

Soziale Netzwerke wie Facebook, Netlog oder Myspace sind für viele Jugendliche aus ihrem Alltag nicht mehr wegzudenken.

Einige wenige Massnahmen helfen, alle ihre Daten wie Bilder, Videos sowie Angaben zu ihrer Person besser zu schützen:

  • Alterslimiten der Betreiber ernst nehmen und beachten.
  • Immer die höchstmöglichen Sicherheitseinstellungen wählen.
  • Nur die nötigsten Angaben zur eigenen Person machen.
  • Nur bekannte/vernetzte Personen in den eigenen Freudeskreis aufnehmen.
  • Intime Angaben im Profil sowie in allen öffentlich zugänglichen Bereichen grundsätzlich vermeiden.
  • Informationen und Bilder nur den eigenen Freundeskreis zugänglich machen.

Sicher auf Facebook?

Mit schöner Regelmässigkeit gerät Facebook in die Schlagzeilen. Besonders gerne beanstandet werden die Datensicherheit und das Urheberrecht. Zur Erinnerung: Anfang Februar 2009 hatte Facebook neue Nutzungsbedingungen eingeführt, die der Plattform weitreichende Rechte auf die Inhalte, welche die Benutzer unter ihrem Account gepostet haben, zugestehen sollten. So sollten unter anderem auch die Daten gelöschter Accounts unbeschränkt lange gespeichert (und verwertet?) werden können. Nach einer Welle der Empörung wurden die alten Bedingungen wieder eingeführt.

Nun ist es wieder so weit. Im Facebook Blog hat das Unternehmen ein weiteres Update der geltenden Nutzungsbedingungen zur Diskussion frei gegeben. Die gute Nachricht: Die neuen Nutzungsbedingungen sollen die Werbung unter Facebook erschweren. Doch wie sieht das im Detail aus und was ändert sich sonst noch? Und vor allem, was steht in den Nutzungsbedingungen überhaupt alles drin?

Die erste Schwierigkeit, diese Fragen zu beantworten, liegen an der Sprache. Das aktuelle Update der Nutzungsbedingungen steht nur auf Englisch zur Verfügung. Auch wer über gute Englischkenntnisse verfügt, stösst im „Juristenenglisch“ an seine Grenzen. Schön, dass die bisherigen Nutzungsbedingungen in deutscher Übersetzung vorliegen. Einen wesentlichen Haken hat das Ganze allerdings noch. Der deutsche Text wird mit dem Hinweis eingeleitet, dass ausschliesslich die englische Version rechtsgültig ist...

Als nächste Hürde erweist sich der beachtliche Umfang der Nutzungsbedingungen von ca. 9 eng bedruckten A4-Seiten. Es ist kaum anzunehmen, dass sich viele der zur Zeit 250 Mio. Facebook-Nutzer durch all die Paragrafen gekämpft haben. Durch das Anmelden bei Facebook haben sie sich jedoch alle mit ihnen einverstanden erklärt.

Während Erwachsenen die Verantwortung für ihr Handeln und ihre Daten überlassen werden kann, so ist es doch dringend nötig, Kinder und Jugendliche vor Datenmissbrauch zu schützen.

Zu diesem Thema heisst es unter den Nutzungsbedingungen unter anderem:

Der Austausch deiner Inhalte und Informationen
Dir gehören alle Inhalte und Informationen, die du auf Facebook postest. Zudem kannst du mithilfe deiner Privatsphäre- und Anwendungseinstellungen kontrollieren, wie wir deine Inhalte verteilen. Damit wir bestimmte Arten von Inhalten verwenden und dir Facebook bereitstellen können, erklärst du dich mit Folgendem einverstanden:
Für Inhalte, die unter die Rechte an geistigem Eigentum fallen, wie Fotos und Videos („IP-Inhalte"), erteilst du uns vorbehaltlich deiner Privatsphäre- und Anwendungseinstellungen die folgende Erlaubnis: Du gibst uns eine nicht-exklusive, übertragbare, unterlizenzierbare, unentgeltiche, weltweite Lizenz für die Nutzung jeglicher IP-Inhalte, die du auf oder im Zusammenhang mit Facebook postest („IP-Lizenz"). Diese IP-Lizenz endet, wenn du deine IP-Inhalte oder dein Konto löscht (außer deine Inhalte wurden mit anderen Nutzern geteilt und diese haben sie noch nicht gelöscht).
.....
Über Werbung auf Facebook
Unser Ziel ist es Werbeanzeigen nicht nur für Werbetreibende sondern auch für dich wertvoll zu gestalten. Damit dies möglich ist, erklärst du dich mit Folgendem einverstanden:
Du kannst über deine Privatsphäre-Einstellungen einschränken, inwiefern dein Name und dein Profilbild mit kommerziellen oder gesponserten Inhalten verbunden werden können. Du erteilst uns die Erlaubnis, vorbehaltlich der von dir festgelegten Einschränkungen, deinen Namen und dein Profilbild in Verbindung mit diesen Inhalten zu verwenden.
Wir geben deine Inhalte nicht an Werbetreibende weiter.
Du verstehst, dass wir bezahlte Dienstleistungen und Kommunikationen möglicherweise nicht immer als solche identifizieren.
.....
Facebook kann ferner Informationen über dich aus anderen Quellen, wie Zeitungen, Blogs, Instant Messaging-Diensten und der Verwendung der Facebook-Dienste durch andere Nutzer (z.B. Foto-Markierungen), sammeln, um dir nützlichere Informationen und ein personalisierteres Erlebnis bieten zu können.
Durch die Benutzung von Facebook erklärst du dich damit einverstanden, dass deine persönlichen Daten in die USA übermittelt und dort verarbeitet werden.

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Wiedergabe der Ausschnitte durch copy-paste von der Facebook-Site.

Vollständige Fassung der Nutzungsbedingungen

 

Diese wenigen Abschnitte werfen bereits eine Reihe von Fragen auf. So erteilt der Nutzer offenbar eine „weltweite Lizenz für die Nutzung jeglicher IP-Inhalte“. Wohl vorbehaltlich der jeweiligen Privatsphäre- und Anwendungseinstellungen. Doch was heisst das im Einzelnen? Ein Klick auf den im Bereich „Privatsphäre“ etwas verborgenen Button „Facebook-Werbeanzeigen“ öffnet ein Popup-Fenster mit folgendem Inhalt:

Entlarvung der Gerüchte über Fotos in Werbeanzeigen
In letzter Zeit waren einige irreführende Gerüchte über die Verwendung deiner Fotos in Facebook-Werbeanzeigen im Umlauf. Schenke diesen keinen Glauben. Diese Gerüchte beziehen sich auf Anwendungen von Dritten und nicht auf Werbeanzeigen, die auf Facebook angezeigt werden. Facebook-Werbeanzeigen können dein Profilbild und deinen Namen zusammen mit umfeldorientierten Handlungen enthalten, die du auf Facebook durchgeführt hast (z.B. wenn du ein Fan einer Seite geworden bist). Weitere Informationen dazu erhältst du im Hilfebereich.

Also alle Aufregung umsonst? So sicher scheint das nicht. Denn hinter dem Popup-Fenster ist zu lesen:

Werbeanzeigen, die von Anwendungen Dritter angezeigt werden
Facebook berechtigt Anwendungen Dritter bzw. Werbenetzwerke weder zur Nutzung deines Namens noch zur Nutzung deines Bildes für Werbeanzeigen. Sollte dies in Zukunft gestattet werden, so wird diese Einstellung die Nutzung deiner Informationen regeln.

Wer die Nutzungsbedingungen nicht periodisch durchforsten will, um zu erfahren, ob „dies in Zukunft gestattet“ wurde, tut gut daran, die Auswahl bei „Werbeanzeigen auf Plattformseiten gestatten, meine Informationen folgenden Personen zu zeigen“ auf „niemand“ zu stellen.
Die Liste der Punkte, die insbesondere in der Nutzung von Facebook durch Kinder und Jugendliche problematisch werden könnten, könnte noch lange weiter geführt werden. Allerdings sieht das Facebook selbst wohl auch und schiebt wenigstens teilweise Riegel vor:

Facebook sammelt oder bewirbt persönliche Informationen von Personen unter 13 Jahren nicht und erlaubt diesen Personen auch nicht wissentlich sich zu registrieren. Falls du jünger als 13 Jahre alt bist, registriere dich bitte nicht für Facebook und sende uns auch keinerlei Informationen über dich, einschließlich deines Names, deiner Adresse, deiner Telefonnummer und E-Mail-Adresse. Niemand unter 13 Jahren darf persönliche Informationen auf Facebook veröffentlichen oder an Facebook senden.
Wir empfehlen, dass Minderjährige über 13 Jahren ihre Eltern um Erlaubnis bitten, bevor sie jegliche Informationen über sich im Internet preisgeben.

Wiedergabe der Ausschnitte durch copy-paste von der Facebook-Site.

Dies sind sicherlich hilfreiche Empfehlungen. Welche Sicherheitseinstellungen sinnvoll und nötig sind und welcher Art die Informationen sein sollten, die Jugendliche unter Facebook von sich preisgeben, kann zwischen Eltern und Kindern abgesprochen werden. Sinnvoll ist es sicherlich, die Jugendlichen dafür zu sensibilisieren, dass die Preisgabe von Intimitäten durchaus heikel und ein Stück weit auch überflüssig sein kann. Schliesslich muss nicht jeder wissen, ob man auf der Suche nach Männlein oder Weiblein ist, welche religiösen Ansichten man hat oder welches die Lieblingssendungen sind.


Es darf auch geschmunzelt werden: ein bekennender Computer-Nerd zur Diskussion um die Facebook-Nutzungsdaten.