unterstützt Eltern in der Medienerziehung

Chat4Fun

Irgendwann – mal früher, mal später – fangen Kinder an, vor ihren Geheimnisse zu haben. Und das ist gut so. Kinder wollen ihre eigene Welt entdecken und aufbauen mit neuen Freunden und ohne Kontrolle der Eltern. Entsprechend erfreulich finden die Kinder und Jugendlichen von heute die Möglichkeit ohne elterliche Kontrolle per E-Mail zu kommunizieren. Noch spannender ist der Austausch mit Freunden – und vor allem auch Fremden – in Internet-Chats oder Foren. Chat kommt von Plaudern und ist ein Onlinedialog zwischen zwei oder mehreren Personen, die live ihre Beiträge übermitteln (normalerweise Text aber auch Bilder, Filme, Links). In Foren, tauschen sich die Teilnehmer über bestimmte Themen aus, in dem zum Beispiel jemand einen publiziert oder eine Frage im Forum deponiert und dann auf Antworten wartet. Da sie dabei anonym bleiben können, können die Jugendlichen sich im Chat und Forum so präsentieren, wie sie sich selbst gern präsentieren würden, oder wie sie glauben, dass man am besten ankommt.

Doch immer wieder lesen und hören beunruhigte Eltern in den Medien von Pädophilen, die sich über diese Chatrooms an Kinder heranmachen.  
Ebenfalls beunruhigend sind Online-Foren, in denen sich Jugendliche über ihre Sorgen und Ängste, Verunsicherungen und wichtige Lebensfragen austauschen. Hier lauern nicht selten rechtsextreme oder religiöse Menschenfischer, satanistische Jugendgruppen, Gruppen, die Selbstmord propagieren und auch gleich erklären, wie man an tödliche Substanzen kommt. In wieder anderen Foren geben sich (meist Mädchen) Tipps zur Selbstverletzung (Ritzen) oder zum Abmagern bis aus Skelett. All dies hat es auch schon früher gegeben. Doch nie kamen die Täter so leicht und anonym an ihre Opfer. Und kollektive Anorexie gibt es wohl erst, seit es Chatforen gibt.

Verständlich, dass Eltern da erschrecken. Aber man muss auch nicht den Teufel an die Wand malen. Das Internet und Chatrooms Foren sind für Jugendliche trotzdem eine prima Sache. Genau wie das Velo. Aber man muss genau wie beim Velo gewisse Sicherheitsregeln einhalten, wenn man nicht unter die Räder kommen will.
Ihren Kindern Angst vor den schlimmen Gefahren in Chatrooms machen oder gar das Chatten zu verbieten nützt nach der unter Erziehungsexperten vorherrschenden Meinung überhaupt nichts. Das einzige was Eltern damit erreichen ist, dass die Kinder sich Ihnen nicht anvertrauen, wenn sie beunruhigendes im Chat erlebt oder in einem Forum gelesen haben. Ausserdem könnten gerade solche Warnungen die Kinder erst recht neugierig machen. Statt Angstmache empfehlen die Mehrheit der Jugendpsychologen, den Jugendlichen sachliche Informationen zu vermitteln, was ihnen im Web begegnen kann und wie man sich davor schützt.

Um sich in einem Chat oder Forum anzumelden, muss einen Namen und ein Passwort eingeben. Das Sagen Sie ihrem Kind unbedingt, dass es als Namen einen Nickname (Spitznamen) eingibt, der nichts über den wahren Namen, Geschlecht, Alter oder Wohnort preisgibt.

Nicknames wie «Melanie14Baden» wirkt laut der Kinderschutzgruppe der Zürcher Polizei für Pädokriminelle besonders anziehend. Die Kampagne «Schau genau» versucht Kinder, Jugendliche und Eltern über die Risiken aufzuklären. Sie warnt zum Beispiel davor, dass Sexualtäter im Chat versuchen, möglichst viele Informationen über potentielle Opfer herauszufinden.  
Der normale Dialog ist für alle Teilnehmenden Sichtbar. Man kann aber einzelne Teilnehmer in einen Privatraum einladen. Diese Dialoge sind nicht mehr öffentlich.
Mit modernen Computern kann man auch Audio- und Videodialoge geführt werden. Das ist nicht zu empfehlen. Alles was auf Ihr Kind als reale Person hindeutet sollte privat bleiben. Mikros und Kameras beim Chatten ausstellen.

Vorsicht ist angesagt wenn ein Chatteilnehmer die Diskussion gezielt auf das Thema Sex lenkt. Fragt, was man an hat, nach Fotos und echten Handynummern und adressen fragt. Wenn er Ihre Kinder über sexuelle Erfahrungen ausfragt oder seine eigenen Fantasien der Perversionen schildert, pornographische Bilder oder Filme schickt oder auf ein Treffen (zu Beispiel auch gegen Bezahlung) drängt und alle ähnlichen Verhaltensweisen.

Sogenannte destruktive «Kulte» findet man vor allem in Foren. Dazu gehören laut der Evangelischen Informationsstelle www.relinfo.ch Gruppen in denen ernsthaft über Schwarze Magie, Hexerei, Schadenzauber und anderes «übernatürliches» debattiert wird.
Foren und Chatrooms in denen zu Beispiel Scientology oder andere Sekten- und Sektenähnliche Organisationen wie die Moon Sekte, Kinder Gottes, Hare Krishna, AAO, Quadrinity, Yamagischi-Bewegung und ähnliches.
(nähere Informationen auf Relinfo.ch oder www.sekten.ch

)Selbstdestruktive Gruppen:
Chats, in denen Selbstmord als Lösung für pubertäre Probleme dargestellt werden (im Extremfall mit Handlungsanleitungen), Annorexie- oder Selbstverletzungschats (ebenfalls mit Handlungsanleitungen)

Wie soll sich Ihr Kind verhalten, wenn es angemacht wird oder auf beängstigende Chats und Webseiten stösst? Die Tipps von Schaugenau:
- Viele Pädophile und andere Menschen mit unlauteren Absichten nehmen über Chatrooms Kontakt mit Jugendlichen und Kindern auf, versuchen Treffen zu vereinbaren, an Bilder oder Adressen zu kommen. Ihr Kind soll deshalb eim Chatten auf keinen Fall persönliche Daten und Infos bekannt geben.
- Immer ein Pseudonym verwenden und niemals die Handynummer, Kontodaten, Adresse, Telefon oder Adresse angeben, wenn der Chatpartner nicht absolut vertrauenswürdig ist.
- Ein erstes Treffen in der realen Welt mit einem neuen Chatfreund unbedingt an einen öffentlichen, sicheren Ort stattfinden lassen (Zum Beispiel in einem Jugendtreff). «Safersurfing.ch» empfiehlt die Begleitung eines Erwachsenen.