unterstützt Eltern in der Medienerziehung

Einfluss der Medien

Die Frage, wie sehr die neuen Medien und ihre Inhalte Kinder beeinflussen oder gar in ihrer Entwicklung beeinträchtigen, lässt sich nicht einfach und pauschal beantworten. Auch die Meinungen von Fachleuten gehen hier weit auseinander:

  • „Zu viel Medienkonsum macht dick, dumm und gewalttätig.“
  • „Fernsehen fördert die Entwicklung des Sprachzentrums und vermittelt Wissen.“  „Kinder haben oft sprachliche und motorische Defizite, das kindliche Gehirn verkümmert.“
  • „Kinder sind nicht dümmer, sondern schlauer als vor 30 Jahren. Auch dank der Medien.“
  • „Es kommt zu Lernstörungen, Haltungsstörungen, Wahrnehmungs- und Koordinationsstörungen, zu emotional-sozialen Störungen und zu Verhaltensstörungen.“

Was in welchem Mass tatsächlich zutrifft, werden wir wohl erst in einigen oder gar vielen Jahren genauer wissen, denn viele dieser Aussagen beruhen auf Annahmen. Es ist ein wenig so, als würde zur Zeit ein gross angelegter Feldversuch mit unseren Kindern laufen. Dass die neuen Medien die Kinder in ihrer Entwicklung – positiv oder negativ – beeinflussen, ist jedoch unbestritten. Dazu einige Beispiele:

Mehr TV als Schule

Kinder verbringen mehr Zeit mit den Medien, als in der Schule. Nach 10 Schuljahren haben Kinder in Deutschland etwa 15`000 Schulstunden besucht und etwa 18`000 Stunden lang fern gesehen und dabei 1‘200 Bilder pro Stunde aufgenommen. Hier stellt sich natürlich auch die Frage, wie sich die Schule mit ihren vergleichsweise weniger attraktiven, also auch weniger farbigen, abwechslungsreichen und leicht konsumierbaren Inhalten gegen die Medien durchsetzen kann.

Realität oder Fiktion?

Kinder im Primarschulalter können noch nicht immer zwischen Realität und Fiktion unterscheiden. Auch hier ein Beispiel: Nach einer schwedischen Studie sind ganze 40 % der Primarschulkinder davon überzeugt, dass Menschen ausschliesslich durch Mord und Totschlag sterben.

Schulleistungen

Buben nutzen die neuen Medien intensiver als Mädchen. In einer Untersuchung konnte gezeigt werden, dass seit den 80er Jahren, also der Einführung der neuen Medien, die schulischen Leistungen von Buben abnehmen. Und dies in einer Art Dosis-und-Wirkung-Zusammenhang; d.h. je mehr Medien konsumiert werden, desto niedriger ist der Schulabschluss. Oder in Zahlen: Von den Schülerinnen und Schülern, die 2007 an den Basler Schulen mit einem Matur abschlossen, waren 63 % Mädchen gegenüber 37 % Buben.

Medien als Risikofaktor für Intelligenz?

Tatsächlich gehören gemäss Fachleuten eine abwechslungsarme Freizeit des Kindes, ein Fernsehkonsum von mehr als einer Stunde pro Tag sowie ein Computerkonsum von mehr als 30 Minuten pro Tag zu den Risikofaktoren, welche die Intelligenz  bzw. ihr Entwicklung negativ beeinflussen können.

Aggressiv durch Medien?

In einer gross angelegten Meta-Studie, also einer Studie, die verschiedene Studien untersucht und einbezieht, ist ein deutlicher Zusammenhang zwischen Medienkonsum und aggressivem Verhalten festgestellt worden. Dieser Zusammenhang soll demnach grösser sein als z.B. jener zwischen dem Passivrauchen und Lungenkrebs. Unbedingt zu beachten ist hier, dass aggressives Verhalten nicht etwa immer eine Folge von Gewalt in den Medien sein muss, sondern häufig auch durch Überforderung und Überreizung entstehen kann. Mehr dazu hier

Leben aus zweiter Hand

Viele Medien werden passiv konsumiert und genutzt. D.h, die Kinder haben kaum die Möglichkeit, auf das Geschehen z.B. im Fernsehen Einfluss zu nehmen. Sie erfahren ihre Umwelt sozusagen aus zweiter Hand. Fachleute sprechen auch davon, dass Kinder statt eigene Erfahrungen zu machen, ein Leben aus zweiter Hand führen.

Bewegungsmangel

Kinder sind heute körperlich weniger geschickt als früher, viele sogar motorisch auffällig. Die Hälfte aller Sechsjährigen zeigt Unsicherheiten, wenn es darum geht, das Gleichgewicht zu halten, und kann sich schlecht im Raum orientieren. Das zeigt sich an einem ganz einfachen Beispiel sehr deutlich: die Hälfte der 6jährigen in der Schweiz kann keine Purzelbaum. Gründe dafür sehen Fachleute in der mangelnden Bewegung der Kinder.  Dabei ist Bewegung, wie wir bereits gesehen haben,  nicht nur für die körperliche, sondern auch für die psychische und intellektuelle Entwicklung der Kinder äusserst wichtig. Das sich Kinder heute zu wenig bewegen, liegt sicher nicht nur, aber eben auch an einer immer intensiveren Mediennutzung.

Diese Angaben müssen natürlich nicht auf jedes einzelne Kind zutreffen. Jedes Kind ist anders und hat andere Interessen. Dennoch zeigen diese wenigen Beispiele, dass ein Zusammenhang zwischen der Nutzung der neuen Medien und der Entwicklung der Kinder durchaus besteht bzw. bestehen kann.

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