unterstützt Eltern in der Medienerziehung

Wie halten es die neuen Medien mit der Moral?

Die ethischen Grundsätze, die Wertesysteme, die moralischen Vorstellungen und Normen einer Gesellschaft werden durch die neuen Medien nicht aus den Angeln gehoben.

Mit den neuen Medien entstehen jedoch neue Situationen und Möglichkeiten, die ethische Probleme aufwerfen. Wie so oft in den Anfangszeiten neuer Technologien stellt sich auch die Frage, ob alles, was machbar ist, tatsächlich auch gemacht werden soll.

Gesetze bieten in vielen Bereichen keine Orientierungshilfe. Einerseits kann der Gesetzgeber nicht immer vorgreifend die Entwicklungen der neuen Medien vorhersagen und Grenzen zwischen Erlaubtem und Verbotenem ziehen. Andererseits muss bekanntlich nicht alles, was rechtlich zulässig ist, ethisch, angebracht, moralisch vertretbar oder ganz einfach anständig sein.

Kinder  und Jugendliche loten gerne ihre Grenzen aus, grenzen sich gegen Erwachsene ab und brechen Regeln. Natürlich auch in den neuen Medien. Hier fehlen jedoch eben vielfach die Normen, an denen sie sich orientieren, aber auch reiben können, und die Grenzen scheinen in vielen Bereichen durchlässiger als in der realen Welt. Was ihnen aber allenfalls als Freiheit, Ruhe vor den Erwachsenen und Selbstbestimmtheit erscheint, kann durchaus problematisch sein und sie zu ethisch fragwürdigem Verhalten verleiten oder zu Opfern solcher Taten machen. Da Eltern oft weder wissen, was ihre Kinder im Cyberspace treiben, noch mit den virtuellen Welten, die ihre Kinder so anziehend finden, vertraut sind, können auch sie keine Unterstützung bieten.

Auf die Selbstregulierung der neuen Medien und eine sich so generierende Ethik zu vertrauen, hiesse, (zumindest die heutigen) Kinder und Jugendliche mit vielen offenen Fragen allein zu lassen.

Es gibt sicherlich viele Bereiche der neuen Medien, in denen sich ethische Probleme stellen. Hier sollen im Sinn eines Diskussionsbeitrages jedoch lediglich drei für Kinder und Jugendliche besonders relevante Aspekte des Social Networking erwähnt werden:

Privatsphäre

Mitglieder von Social Networking-Plattformen machen auf ihren Profilen auch intime Bilder und Informationen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich. In der realen Welt würden sie sich kaum öffentlich derart blossstellen und darauf vertrauen, dass Dritte mit diesen Informationen respektvoll umgehen.

Manipulation

Auf einer Social Networking-Plattform ist man weder unter sich, noch bleiben Erwachsene aussen vor.  Mehr als spionierende Eltern und Lehrer forschen jedoch Organisationen und Unternehmen die Kinder und Jugendlichen aus. Dank der vielfältigen Daten, die bereitwillig zur Verfügung gestellt werden, kann auf der Plattform massgeschneidert geworben werden. Da ist zum Beispiel dieser Link zu einer Modelagentur, bei der 49 € zur Anmeldung fällig werden. Dafür darf man auch gleich seine Honorarvorstellungen anmelden. Oder diese Plattform, auf der es gratis Logos fürs Handy gibt. Leider steht im Kleingedruckten, dass nur das erste Produkt gratis ist. Und noch kleiner, dass das Ganze ein Abo ist – für 18 Franken pro Woche.

Bewertung

Auf vielen Plattformen stehen Bewertungssysteme zur Verfügung, mit denen das Aussehen von Mitgliedern öffentlich „benotet“ wird und Beliebtheitsrankings erstellt werden. Ins reale Leben übertragen, wäre das etwa so, als würde man sich auf einem Marktplatz zur Schau stellen. Das Publikum hätte zudem die Möglichkeit, bei Gefallen einen roten Apfel zu überreichen und bei Nichtgefallen Pferdeäpfel zu werfen. Gewonnen hätte dann, wer am meisten rote Äpfel hat.