unterstützt Eltern in der Medienerziehung

Wie ist Jugendsprache zu bewerten?

Wenn Erwachsenen die Gesprächskultur von Jugendlichen defizitär erscheint, so beschreibt diese Einschätzung nicht zwingend das tatsächliche Niveau der Kommunikation unter Jugendlichen. Hier zeigt sich vielmehr, dass für Jugendliche (in der Kommunikation untereinander) andere sprachliche Normen gelten. Das Abweichen, Verletzen und Durchbrechen sprachlicher Normen geschieht durchaus beabsichtigt. Jugendsprache ist somit auch Ausdruck der Werte, Interessen und Weltanschauung von Heranwachsenden. Sie ist für sie ein Mittel, das ihnen erlaubt, sich selbst sein zu können, und ihre Identität auch innerhalb ihrer Peergroup dar zu stellen.

Jugendsprache ist in diesem Sinn eine Weiterentwicklung der Standardsprache und hat häufig innovativen und ausgesprochen kreativen Charakter. Die zahlreichen Neologismen, die Wortneuschöpfungen, aber auch die Bedeutungsverschiebungen („das Buch ist geil“) wie auch das Vermischen von verschiedenen Sprachen („ich werde einfach nur chillen“) sind weniger Spiegelbild eines tiefen sprachlichen Niveaus als – gemessen an den Normen der Standardsprache mal mehr, mal weniger ansprechender – Ausdruck von Autonomiebestrebungen und Gruppenidentität.