unterstützt Eltern in der Medienerziehung

Wie entsteht Jugendsprache?

So etwas wie eine Jugendsprache hat es wohl immer schon gegeben. Das Bedürfnis von Heranwachsenden, sich sprachlich von ihren Eltern abzugrenzen und mit Gleichgesinnten und Gleichaltrigen zu verbünden, ist nicht ein Phänomen unserer Zeit. Neu sind allerdings die Öffentlichkeit, die diese Sprachvarianten heute nicht zuletzt durch die neuen Medien erfahren, sowie ihre schriftliche Umsetzung. Andererseits wird Jugendsprache heutzutage auch von den Gesetzmässigkeiten der Mediensprache (mehr dazu hier) und die gesellschaftliche Mobilität geprägt. Die Motivation von Kindern und Jugendlichen eigene Sprachcodes zu kreieren liegt jedoch nicht nur in einer angestrebten Abgrenzung gegen Eltern und Schule. Jugendsprache ist auch

  • Ausdruck einer Gruppenzughörigkeit
    Ausdruck geteilten Wissens
    Ausdruck des in der jeweiligen Gruppe Geltenden, Angesagten
    Abgrenzung gegenüber anderen sozialen Gruppen
    je nach Perspektive wahlweise Zeichen von Bequemlichkeit oder Coolness

Nun ist es ja nicht etwa so, dass sich Kinder und Jugendliche hinsetzen und beschliessen, eine eigene Sprache zu erfinden. Die Varianten der Jugendsprache entstehen laufend zum Beipiel durch das Zusammensetzen von sprachlichen Versatzstücken mit unterschiedlichen kulturellen und situativen Hintergründen zu etwas Neuem, Eigenem. Begriffe und Wendungen aus verschiedenen kulturellen Quellen werden in einer Art Collage neu zusammengestellt. So entstehen Ausdrücke wie „brutal gut“, „ich lieb di abartig“ oder auch „ das channi aber nuumme back geh“.

So schnell in der Jugendsprache neue Begriffe und Formulierungen auftauchen, so schnell können sie auch „out“ sein. Dies geschieht besonders dann, wenn die Ausdrücke in den allgemeinen Sprachgebrauch, also auch von den Erwachsenen, übernommen werden. Sie verlieren für die Heranwachsenden an Interesse und werden durch neue Varianten ersetzt. Bevor Eltern nun auf diese Karte setzen und sich durch den Gebrauch von Jugendsprache disqualifizieren, in der Hoffnung ihren Kinder zu besserer Sprache zu verhelfen, bleibt ihnen ein Trost: Die meisten Jugendlichen sind durchaus in der Lage, neben ihrem Slang auch andere Varianten der Sprache aktiv und angemessen zu gebrauchen.