unterstützt Eltern in der Medienerziehung

Problem Mediensprache?

Im Vergleich mit der Schriftsprache, in unserem Fall dem Standarddeutsch, kann Mediensprache reduziert oder verkümmert wirken. Tatsächlich scheint Mediensprache im Wesentlichen auf ihre Funktionalität beschränkt. Das heisst, sie dient vorrangig der Informationsvermittlung. Stilistische Aspekte, die in der Schriftsprache auch in einfacheren Texten noch eine Bedeutung haben, sind nur noch schwer auszumachen.  Der Grund dafür ist sicher einerseits im „mündlichen“ Charakter der Mediensprache zu suchen, die mit Hilfe der neuen Medien gewissermassen Gesprächssituationen simuliert. Andererseits verhindern oft auch technische Zwänge ein Kommunizieren in der Schriftsprache mit all ihren Konventionen: Eine SMS mit korrekter Anrede und einer herkömmlichen Grussformel etc. ist schon aus Platzgründen ein Unding. Wann und wie welcher Code, welche Sprachform in den neuen Medien verwendet wird, ist in diesem Sinn eine Frage der Medienkompetenz. Mehr dazu hier.

Bleibt also die Frage, ob Mediensprache ihrer Funktion als schnelle und adäquate Informationsüberträgerin gerecht werden kann. Die Praxis zeigt: Sind die untereinander Kommunizierenden alle mit dem angewandten Code vertraut, können sie sich genauso verständlich und explizit verständigen wie mit der Standard-Schriftsprache. Mehr noch: Die verwendeten lautmalenden Worte, Emoticons oder Abkürzungen können diese Codes um Elemente der nonverbalen Kommunikation erweitern. So gesehen ist der SMS-Code oder ein Chat-Slang nicht zwangsläufig einfach nur verkümmerte Sprache. Sie können durchaus auch als adäquat eingesetzte Schrift- und Bildzeichensprachen verstanden werden.

Heute erlernen Kinder und Jugendliche Mediensprache oft gewissermassen nebenbei und parallel zum Erwerb der Fähigkeit zu lesen, zu schreiben und sich angemessen auszudrücken. Sie beweisen oft eine beachtliche Kompetenz darin, Mediensprache gekonnt anzuwenden. Zudem können sie in der Regel auch schon früh recht gut unterscheiden, wann, wo und in welchem Mass sie angebracht ist.

Mediensprache und der Umgang mit den neuen Medien scheinen also für die Sprache und die sprachlichen Fähigkeiten von Kindern und Jugendlichen nicht per se problematisch zu sein. Fachleute gehen sogar davon aus, dass die neuen Medien – richtig eingesetzt – zu mehr Sprachkompetenz verhelfen können.

Lesenswert in diesem Zusammenhang der Artikel „Computer oder Buch? – Beides!" von Andrea Bertschi-Kaufmann, Zentrum LESEN, Fachhochschule Aargau Nordwestschweiz. Artikel lesen 

Mediensprache also kein Problem? Entscheidend ist sicher, dass Sprache ausserhalb der neuen Medien und der Schule nicht vernachlässigt wird. So begrüssenswert es auch sein mag, dass Kinder und Jugendliche Mediensprache beherrschen lernen: Die virtuelle Welt der neuen Medien ist nur ein Teil unserer Realität. Kinder und Jugendliche sollten auch genügend Gelegenheit und Motivation erhalten, Standardsprache einzusetzen und mit ihren Regeln und Gesetzmässigkeiten vertraut zu werden. Wer nun aber gleich versucht, seine Kinder für gepflegte Konversationszirkel und die Lektüre aller deutschsprachigen Klassiker zu gewinnen, wird wohl scheitern. Wahrscheinlich lässt sich im Kleinen mehr Erfolg erzielen. So gesehen können Erziehende auch mal ganz altmodisch auf „anständiges „(Schweizer-)Deutsch“ am Familientisch bestehen.